Arzbach-beschrieben 1934

aus der Schriftenreihe „Reisen und Wandern“, Köln, 2. Oktober 1934

Ein freundliches Westerwalddorf stellt sich vor !

 

 

Bunte Blätter aus einer reichen Chronik

Wer kennt den südlichen Teil des Unterwesterwaldes in der Gegend des Dorfes Arzbach, die waldreichste Mittelgebirgslage des Westerwaldes ?
Von Bad Ems aus dringt ein schmales Tal, an Naturschönheiten und Spuren fleißiger menschlicher Tätigkeit reiches Tal, von dem Arzbach durchflossen, einige Kilometer weit in die Berge des unteren Westerwaldes ein.

An einer der landschaftlich reizvollsten Stellen unfern den verträumten Ruinen der Sporkenburg, die gleich einem traurigen Wächter den Eingang des Tales beherrscht, im Osten überragt von zwei charakteristischen kegelförmigen Waldbergen, im Norden umrandet von den kilometerweit ausgedehnten Bergwäldern der Montabaurer Höhen, die fast bis zu 600 Meter Höhe aufsteigen, im Westen abgeschlossen durch das langgestreckte Massiv des Mühlenbergs, dort liegt Arzbach, halb im Tale versteckt, halb an die Berge angelehnt, ein freundliches Walddorf mit etwa 1200 Einwohnern. In kirchlicher Hinsicht bildet die Ortschaft den Mittelpunkt einer einst unter dem Namen „Augst“ weit bekannten Pfarrei, verwaltungstechnisch ist sie dem Unterwesterwaldkreis angegliedert, wirtschaftlich ist Arzbach mit dem Emser Bergwerksbezirk verbunden.

Der Geburtsort Caligulas ?

Der Ort besitzt, obwohl er erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts zum ersten Male urkundlich erwähnt wird, eine reiche geschichtliche Vergangenheit, die heute nur noch in großen Umrissen zu erkennen ist, aber in viel frühere Zeiträume hineinreicht.

Schon in der Hallsteinepoche war die Gegend, wie die Funde am „Fichtenkopf“ beweisen, von einem Volke mit verhältnismäßig hoher Kultur besiedelt. Von 300 v. Chr. an rangen Kelten und Germanen um den unteren Westerwald, um Christi Geburt zogen römische Legionen durch das Arzbachtal nach Norden gegen die wanderlustigen Germanen. Der Sage nach soll Caligula, der spätere römische Kaiser, während der Feldzüge des Germaniers in einem hiesigen Standlager der römischen Truppen geboren sein. Man mag diese Überlieferung für wenig wahrscheinlich halten, eins aber ist jedenfalls sicher, mit der Römerzeit wird das Bestehen einer Ortsanlage in der unmittelbaren Nähe des heutigen Dorfes zu einer geschichtlich feststehenden Tatsache.

Ungefähr um 100 n. Chr., als die Angriffskraft der römischen Heere an dem aufstrebenden germanischen Volkstum zerschellte, sahen sich die Römer zur Sicherung ihrer rechtsrheinischen Besitzungen gezwungen, ein gewaltiges Verteidigungswerk anzulegen, den Limes, einen mächtigen, von Wachttürmen und Kastellen verstärkten Grenzwall, der von Hönnigen am Rhein bis Hienheim an der Donau reichte. In der hiesigen Gegend kreuzte diese Verteidigungslinie etwa den „Butterweg“, die uralte Höhenstraße Koblenz – Montabaur und wandte sich östlich nach den beiden „Bismarkköpfen“, die mit 423 Meter Höhe den Ort östlich überragen, von dort südwärts zur Lahn. Der Limes sicherte also den Römern den Besitz des Arzbachtales. Wahrscheinlich waren bei dieser Grenzziehung weniger militärische Gründe als vielmehr die Behauptung der Erzlager um Ems maßgebend. Jedenfalls lag dadurch die Arzbacher Landschaft in den nachfolgenden zwei Jahrhunderten in der Zone, wo sich die kulturellen aber auch kriegerischen Berührungen zwischen Römern und Germanen am frühesten und nachhaltigsten auswirkten.

Ausgrabungen beweisen . . .

Die große Bedeutung der Landschaft erhellt aus der Tatsache, dass sich Römer, wahrscheinlich während der Regierung des Kaisers Hadrian (117 – 138), zur Anlage eines Kastells entschlossen, das auf dem Boden der heutigen Kirche und des Pfarrhauses errichtet wurde, wie Ausgrabungen bestätigen, die eine genaue Skizzierung des großen Verteidigungswerkes ermöglichten. Bei den Funden handelt es sich um Gegenstände des 2. Jahrhunderts, außerdem um Schlacken von Blei und Eisenerz, auch zeigen die aus dieser und späteren Zeit herrührenden Holzkohlenmeilerplätze, die zu Zwecken der Erzschmelzung Verwendung fanden, eine schon damals intensive Bergbautätigkeit, die dazu auch eine größere Ansiedlung römischer Kolonisten wahrscheinlich machen. Das Kastell hatte einen Flächeninhalt von rund 8.400 qm und eine Besatzung von 200 bis 400 Mann. Eine Straße über das Bühl herab über den Arzbach nach Ems stellte die Verbindung mit dem dortigen Kastell her.

Bis 250 vermochten die Römer die hiesige Gegend gegen die Angriffe der Germanen zu behaupten, dann durchbrachen diese den Limes, schleuderten die Brandfackel in die Kastelle und erschlugen die Besatzungen. Im Jahre 259 wurde das Kastell Niederbieber erstürmt, um dieselbe Zeit auch Arzbach. Immer neu Völkerschaften überfluteten den Unterwesterwald, den zunächst die Chatten eroberten, dann die Alemannen von Süden her überschwemmten, und schließlich um 500 die Franken nach harten Kämpfen in dauernden Besitz nahmen. Mit dieser Sicherung der staatlichen Verhältnisse ist auch die Möglichkeit einer neuen Dauersiedlung gegeben. Die römische Ortsanlage wird wohl in den Stürmen der Völkerwanderung untergegangen sein.

Das Christentum zieht ein

Die Zugehörigkeit zum Frankenreich brachte einen neuen wesentlichen Fortschritt der Entwicklung dieser Gegend – das Christentum. Wohl mag es schon unter den römischen Ansiedlern und Soldaten vereinzelte Bekenner dieser Religion gegeben haben, aber die Masse des germanischen Volkes blieb heidnisch und die Wanderzeit der germanischen Stämme verwischte die leisen Spuren. Erst Bonifatius und seine Nachfolger leiteten eine neue Epoche ein und verbreiteten den christlichen Geist unter den Bewohnern des Westerwaldes. Natürlich blieben Rückfälle nicht aus, und oft genug mussten die Bischofsinoden über heidnische Unsitten klagen.

Im 15. Jahrhundert wurde auf dem Boden des römischen Kastells und zum Teil aus den Steinen der römischen Bauwerke die Kirche errichtet. Sie wird 1517 zum ersten Mal als „Bückelskirch“ erwähnt.

Die günstige Entwicklung Arzbachs, die von den Wirren der Reformationszeit und der Bauernkriege verhältnismäßig wenig berührt wurde, wird jäh unterbrochen durch jenen unseligen Krieg, der in 30 Jahren voll Blut und Gewalt Deutschlands Wohlstand vernichtete. Damals ging der blühende Bergbau zugrunde, Handel und Industrie stockten, die Landwirtschaft wurde ruiniert. Besonders der untere Westerwald, wo kaiserliche, spanische, französische, schwedische und hessische Truppen zusammenstießen, wurde fürchterlich verheert, die Sporkenburg fiel in Trümmer und die Ortschaften wurden durch die dauernden Brandschatzungen und Gewalttaten der rohen Soldateska verödet. Im Jahre 1664 betrug die Einwohnerzahl nur noch 90 Erwachsene. Auch in den folgenden Jahren war eine Heilung der Kriegsschäden mit den größten Schwierigkeiten verbunden. So brach 1665 eine furchtbare Seuche in der ganzen Umgebung aus, die viele Opfer forderte, 1666 entstand eine Hungersnot, der 1668 wiederum eine Seuchenkrankheit folgte.

Dann verheerten von 1672  - 1678 die Raubscharen Ludwigs XIV. zum zweiten Male diese Gegend. Auch im folgenden Jahrhundert durchbrauste wilder Waffenlärm den Westerwald. Im spanischen Erbfolgekrieg stritten hier deutsche, französische und spanische Krieger, wie ein Denkmal aus Basalt bekundet, das in der Nähe von Arzbach für einige gefallene Offiziere errichtet wurde und auf der gleichen Stelle heute noch zu sehen ist. Ende des 18. Jahrhunderts begannen die Kriege der Revolution und die Feldzüge Napoleons. Im Jahre 1794 besetzten die Franzosen unter General Marceau, der bei seinem Rückzug bei Höchstenbach erschossen wurde, das Gebiet. Sie verlangten unerschwingliche Kriegssteuern und ließen alles in Trümmer und Elend zurück.

Der Anschluss an Preußen

Im Jahre 1802 gelangte Arzbach und die gesamte Augst, nachdem das Kurfürstentum Trier aufgelöst wurde, dem die Gegend weit über 500 Jahre politisch untergeordnet war, wie die Grenzsteine, die heute noch sämtlich an ihren alten Stellen vorhanden sind, beweisen, in den Besitz der Fürsten von Nassau und wurde dem Amt Montabaur angegliedert. Im Jahre 1866 kam es dann zu Preußen, bei dem es als Bestandteil des Kreises Unterwesterwald bis heute verblieb (1934).

Die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde Arzbach wurden durch die Verbindung mit dem großen preußischen und später reichsdeutschen Wirtschaftsgebiet in größerem Umfange ausgenützt als in der Kurtrierischen Epoche. Die Bevölkerung vermehrte sich stark, die Erzgewinnung im Emser Bergwerksbezirk erforderte immer mehr Menschen, die Krugbäckerei erschloss neue Verdienstmöglichkeiten, größere Waldgebiete wurden unter den Pflug genommen und gaben Arbeit und Brot. Diese günstige Entwicklung, die den Wohlstand der Bevölkerung in sehr beachtlicher Weise hob, wurde jäh durch den Weltkrieg und die Nachkriegszeit in furchtbarer Weise beendet. Es starben 55 junge Männer in der Verteidigung des Vaterlandes in fremden Ländern den Heldentod. Die langen Jahre der Besatzung durch amerikanische Truppen brachten einen neuen Zeitabschnitt der Not und Unheil.

Menschen von Schrot und Korn

Und trotzdem !  Auch diese Zeiten sind vorübergegangen, gleich den ähnlich schweren, die über Arzbach gelastet. Und doch hat sich immer wieder der opferfreudige Tatenwille, die treue Heimatliebe der Bevölkerung durchgesetzt. Die Bergleute, die das Erz aus dunkler Grube holen und täglich dem Tod dabei ins Auge schauen, die Bauern, die den Wald zurückdrängen und auf steilen Hängen ihr Korn bauen, das sind Menschen, die den Willen und die Fähigkeit haben durchzuhalten und sich durchsetzen, um sich die Heimat zu bewahren, die Heimat mit den schroffen Bergen und tiefen Schluchten, den sanften Hügeln und flachen Mulden, dem murmelnden Bach und den grünen Bergwäldern, den bunten Wiesen und den braunen Äckern, die Heimat mit all diesen Schönheiten, in deren Mitte das schmucke Dorf mit den auffallend sauberen Straßen und Häusern liegt.

Die Menschen, die inmitten dieser Bilder von beschwinglicher Anmut und drückender Schwere, von herbem Reiz und friedlichem Behagen leben, sie haben unter rauer Oberfläche noch manches, was in dem schillernden Glanz der Städte verloren gegangen ist: die Offenheit des Wesens, die kein Zwang der Gesellschaft verkrüppelt hat, die tiefe echte Liebe zur Natur, die den Menschen entwickelt, trägt und nährt, den herben, aber gutmütigen Humor, die Treue zur Heimat, in der die Ahnen gelebt und gewirkt haben.

Lob der Landschaft

Was bietet nun das ruhige, idyllische Westerwalddorf Arzbach dem erholungssuchenden Großstadtmenschen ?

Seine Lage im reizvollen Tale des Arzbaches, knapp 6 km von der Weltbadestadt Bad Ems entfernt, eingeschlossen von herrlichen Mittegebirgswaldungen und dadurch geschützt vor schroffen Witterungsänderungen, ohne großen Durchgangsverkehr, ist so der gegebene Platz in der wunderbar reinen ozonreichen Waldluft, die von dem Großstadtleben angegriffenen Nerven und Gesundheit zu stärken. In den warmen Sommernächten kann man die ganze Nacht hindurch der Schlag der Nachtigallen vernehmen, die in dem Fichten- und Buchengesträuche ihre Nester haben. Am frühen Morgen beginnt dann das Morgenkonzert der Vögel !  Man hört vom Fenster das Zwitschern der Schwalben, das Trillern der Lerchen, den Schlag der Amsel und Drossel, frn Gesan der Rotkehlchen und das Zirpen der Meisen. Aus dem angrenzenden Hochwalde klingen der melodische Ruf des Kuckucks und das Liebesgurren des Wildtäubers.

Am frühen Morgen kann dann der Fremde wunderbare, schöne Spaziergänge ausführen, entweder am rauschenden Bach entlang oder durch eines der vielen Waldwiesentäler, wo auf den tauflimmernden, von der aufgehenden Sonne beschienenen Waldwiesen friedlichäsende Rehe und Hasen zu beobachten sind. Will man aber den König der Bergwälder, den edlen Hirsch in freier Wildbahn kennen lernen und bewundern, so wandere man vor Tag und Tau hinauf in die freien Höhen. Dort ist dem Wanderer meist das Glück eines unvergesslichen Anblicks durch das Beobachten einiger Rudel Hirsche auf großen Waldblößen beschieden.

Tausend Möglichkeiten . . . .

Besonders zu erwähnen sind hier noch die einsamen, moosigen, zu Luft- und Sonnenbädern einladenden Waldblößen, die alle auf schattigen Waldwegen zu erreichen sind. Auch bieten Bänke Gelegenheit, sich in ungestörter Ruhe und Stille zu erholen. Den Abend verbringt der Fremde in Gemeinschaft mit den Bekannten der Dorfgemeinschaft, und er kann hier so recht den heiteren Sinn und derben gutmütigen Humor der Bewohnerschaft, sowie aber auch die tiefe Heimat- und Naturliebe kennen lernen. In der Nähe befindliche Ausflugsziele sind die alte romantische „Sporkenburg“, die aus längst vergangenen harten Zeiten Zeugnis gibt, in deren Schatten man nun träumen kann von alter Ritterpoesie. Auch die beiden „Köpfe“ (Basaltkegel), die das Dorf überragen, sind beliebte Ausflugsziele. Auf einem der beiden, dem 423 m hohen „Bismarckkopf“, erhebt sich ein imposanter Aussichtsturm auf den Mauern eines römischen Wachtturms. Von hier hat der Besucher eine prachtvolle Aussicht über die Lahnberge, den Hunsrück, das Rheintal, das Siebengebirge und den hohen Westerwald. Ganz in der Nähe befindet sich auch der Limes, der Befestigungswall der Römer, der hier an einigen Stellen noch gut erkennbar erhalten vorbeiführt.

Eine halbe Stunde weiter durch den herrlichen Buchenhochwald, und wieder hat man einen wunderschönen Aussichtsturm erreicht, die sogenannte „Schöne Aussicht“ bei Kemmenau in Höhe von 457 m über dem Meere mit Café und Tierpark.

Ein täglich mehrmals verkehrender Postomnibus zwischen Bad Ems und Arzbach schafft die Möglichkeit, die Kurstadt zu besuchen, um dort bei den Klängen des Kurorchesters das weltberühmte „Emser Kränchen“ zu trinken und das internationale Kurleben zu beobachten.

Das Dorf Arzbach besitzt freundliche und äußerst saubere Gastwirtschaften, sowie Privathäuser, die Feriengäste zu den geringsten Pensionspreisen aufnehmen.

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